HEMS: Wer entscheidet eigentlich über meinen Strom? Aktuelle Entwicklungen und ein Rückblick auf den pv magazine Focus auf der diesjährigen Intersolar – mit unserem CEO Klaus Nagl.
Photovoltaikanlage, Speicher, Wallbox, Wärmepumpe, dynamischer Stromtarif – die Zahl der Komponenten im eigenen Energiesystem wächst. Gleichzeitig wächst auch die Zahl der Home Energy Management Systeme (HEMS), die all diese Bausteine intelligent miteinander verbinden sollen.
Auf den ersten Blick können viele Systeme das Gleiche. Doch hinter den Versprechen von Stromkostenoptimierung und intelligenter Steuerung verbergen sich teils sehr unterschiedliche Ansätze.
Automatik oder Mitbestimmung?
Eine der spannendsten Fragen lautet: Wie viel Einfluss haben Nutzer eigentlich auf ihr Energiemanagement?
Manche Systeme treffen nahezu alle Entscheidungen automatisch. Andere erlauben es den Anwendern, Prioritäten festzulegen und aktiv in die Optimierung einzugreifen. Beispielsweise kann entschieden werden, welches Gerät zuerst von überschüssigem Solarstrom profitieren soll oder welche Verbraucher Vorrang erhalten.
Mit der zunehmenden Verbreitung von dynamischen Stromtarifen und neuen Vermarktungsmodellen gewinnt diese Frage weiter an Bedeutung. Denn je komplexer die Energiewelt wird, desto wichtiger wird es für viele Nutzer, die Entscheidungen ihres Systems nachvollziehen zu können.
Es gibt nicht nur den einen Weg zur Optimierung
Auch bei der eigentlichen Optimierung verfolgen Hersteller unterschiedliche Strategien.
Einige Systeme arbeiten regelbasiert. Hier werden Entscheidungen anhand klar definierter Vorgaben getroffen. Andere setzen auf mathematische Optimierungsverfahren oder KI-gestützte Algorithmen, die aus einer Vielzahl von Parametern den wirtschaftlich günstigsten Betriebspunkt ermitteln.
Beide Ansätze haben ihre Vorteile. Während regelbasierte Strategien oft leichter verständlich sind, können mathematische Optimierungen umfassendere Zusammenhänge berücksichtigen und zusätzliche Potenziale erschließen.
Wenn Intelligenz zur Blackbox wird
Mit immer intelligenteren Optimierungsverfahren entsteht jedoch eine neue Herausforderung: Transparenz.
Denn die beste Optimierung hilft wenig, wenn Nutzer am Ende nicht mehr verstehen, warum der Batteriespeicher gerade nicht lädt, das Elektroauto bevorzugt wird oder Strom ins Netz eingespeist wird.
Genau dieses Spannungsfeld wurde kürzlich auch in einer Marktübersicht des pv magazine zu Home Energy Management Systemen beleuchtet. Dort ordnete unser Kollege Simon Köppl, Head of Strategy & Products bei Consolinno, die Entwicklung wie folgt ein:
„Der Markt teilt sich derzeit in die Systeme, die dem Nutzer nicht so viel Einfluss auf die Optimierung geben und andere, wo sie viel einstellen können. […] Man muss aber aufpassen, dass man Kunden nicht enttäuscht, weil sie am Ende das Verhalten ihrer Geräte nicht mehr nachvollziehen können.“
Ein Thema, das die Branche beschäftigt
Wie relevant diese Fragestellungen inzwischen sind, zeigte sich auch auf dem pv magazine Focus Event 2026. Gemeinsam mit Branchenvertretern diskutierten wir über Energiemanagement, Batteriespeicher und neue Geschäftsmodelle rund um dynamische Tarife, bidirektionales Laden, Wärmepumpen und Direktvermarktung.
Die Gespräche machten deutlich: Die Zukunft von HEMS wird nicht allein durch die beste Optimierung entschieden. Ebenso wichtig werden Nutzerfreundlichkeit, Transparenz, Kompatibilität und die Fähigkeit sein, komplexe Marktmechanismen verständlich abzubilden.
Was das für unser HEMS bedeutet
Die Diskussion rund um Transparenz und Nutzerkontrolle beschäftigt uns bei Consolinno nicht nur in Theorie und Fachgesprächen. Sie fließt auch ganz konkret in die Weiterentwicklung unseres Leaflet HEMS ein.
Ein Beispiel dafür ist unser neues Feature „Prio Panda“, das mit Release 2.1 verfügbar wird. Damit können Nutzer ihre steuerbaren Verbraucher im PV-Überschussbetrieb ganz einfach per Drag & Drop priorisieren. Ob zuerst das Elektroauto geladen werden soll, die Batterie nur bis zu einem bestimmten Ladestand gefüllt wird oder zunächst Warmwasser erzeugt werden soll – die Entscheidung liegt beim Nutzer.
Genau darin sehen wir die Zukunft moderner Energiemanagementsysteme: intelligente Automatisierung dort, wo sie sinnvoll ist, und gleichzeitig die Möglichkeit, individuelle Prioritäten selbst festzulegen.
Oder wie es die aktuelle Diskussion rund um HEMS treffend beschreibt: Es geht nicht nur darum, dass ein System optimiert – sondern auch darum, dass Nutzer verstehen und mitbestimmen können, wie optimiert wird.
Mehr zum neuen Feature Prio Panda gibt es hier:
https://consolinno.de/hems-news-prio-panda-kommt/
Unser Blick auf die Zukunft
Bei Consolinno sind wir überzeugt: Ein modernes Energiemanagementsystem sollte intelligent genug sein, um Optimierungspotenziale auszuschöpfen – und gleichzeitig transparent genug, damit Nutzer verstehen, was im Hintergrund passiert.
Oder anders gesagt: Technologie darf komplex sein. Ihre Nutzung sollte es nicht sein.